Tipps: Was Väter rund um die Geburt tun können

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Tipps: Was Väter rund um die Geburt tun können

Wenn Männer Väter werden, schlagen sie Purzelbäume und die Welt steht Kopf. Glück, Freude, Angst und Panik geben sich die emotionale Türklinke in die Hand.

"Ein Baby, welch ein Glück! Ich freu mich so! Endlich!" - aber auch: "Kann ich das? Will ich das? Bin ich nicht noch zu jung? Oder vielleicht schon zu alt?" Ihre Gedanken kreisen darum, was Vaterwerden und -sein mit sich bringt, worauf es ankommt und wie sie ihren Weg rund um Schwangerschaft und Geburt finden.

Mit der Schwangerschaft verändert sich das ganze Leben - sie ist eine Zeit ständiger Veränderungen. Der Bauch Ihrer Partnerin wächst, Sie beginnen, sich auch räumlich auf Ihr Kind einzustellen und in den 40 Wochen bis zur Geburt ihres Kindes erleben Männer wie Frauen ein Wechselbad der Gefühle zwischen Freude auf das Leben als Familie und teils heftigen Bauchschmerzen angesichts der neuen Verpflichtungen.

Schwangerschaft und Geburt aktiv mitgestalten - Werdenden Vätern bieten sich heute deutlich mehr Möglichkeiten, die Schwangerschaft ihrer Partnerin und die Geburt ihres Kindes bzw. ihrer Kinder mitzuerleben und aktiv mitzugestalten, als noch vor 30 Jahren. Nutzen Sie Ihre Chancen, Ihr Kind bereits in der Schwangerschaft kennen zu lernen und Kontakt zu ihm aufzubauen. Gehen Sie z.B. mit zu Vorsorgeuntersuchungen. "Im Lauf der Schwangerschaft ist eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen geplant. Es wird geprüft, gemessen und kontrolliert, wie sich Ihr Kind entwickelt und ob es Mutter und Kind gut geht. Grund genug für Sie sich aktiv zu beteiligen. Begreifen Sie sich und Ihre Partnerin ruhig als 'gemeinsam schwanger' - gehen Sie zu möglichst vielen dieser Untersuchungen mit. Hier haben Sie Gelegenheit, alles aus erster Hand zu erfahren. Sie können Fragen stellen und sich erklären lassen, wie das Kind im Bauch liegt. Sie können es bei den Ultraschalluntersuchungen betrachten." (Richter & Schäfer 2005, S. 23)

Auch bei der Wahl des Geburtsortes können Sie mitreden. Wollen Ihre Partnerin und Sie in einer Geburtsklinik Eltern werden oder kommt für Sie nach einer gründlichen Abwägung der Vor- und Nachteile und nach dem Ausschluss eventueller Risiken auch ein Haus- oder Geburtshausgeburt in Frage. Informieren Sie sich gründlich! Gehen Sie zu Informationsveranstaltungen in Kliniken und Geburtshäusern. Im Zweifel sollte die Entscheidung immer zu Gunsten der Sicherheit getroffen werden (Entscheidungshilfen finden Sie unter anderem im "Papa-Handbuch" von Richter & Schäfer 2005).

Die Schwangerschaft ist auch eine Phase des "Nestbaus". Stellen Sie sich räumlich, aber auch emotional auf die Ankunft Ihres Nachwuchses ein. Sicher macht es Spaß, ein Kinderzimmer einzurichten: Aber: Babys lieben die Nähe zu ihren Eltern. Überlegen Sie, ob Sie es Ihrem Kind und sich selbst gönnen wollen, in einem Zimmer zu schlafen und das zukünftige Kinderzimmer in dieser Zeit als Paarzimmer nutzen möchten. Reden Sie mit Ihrer Partnerin, wie Sie die erste Zeit zu dritt gestalten wollen und welche Wünsche und Erwartungen Sie an sich selbst und aneinander haben.

Ihr Kind wird geboren - Väter die bei der Geburt ihrer Kinder dabei waren, entwickeln nachweislich eine intensivere Beziehung zu ihnen, als Väter, die dieses Erlebnis nicht hatten. Auch Ihre Partnerschaft profitiert von der gemeinsamen erlebten Geburt. Wenn Sie sich entscheiden, Ihre Geburt als Vater mit Ihrer Partnerin und Ihrem Kind zu erleben, sollten Sie gut darauf vorbereitet sein was Sie erwarten kann, wie Sie Ihrer Partnerin und Ihrem Kind helfen können und sich auch Gedanken darüber machen, was Sie selbst brauchen, um ein guter Unterstützer zu sein. Geburtsvorbereitungskurse für Paare sind hierfür der ideale Rahmen, aber auch verschiedene im Buchhandel erhältliche Ratgeber rund um Schwangerschaft, Geburt und erste Zeit mit Kind speziell für Väter helfen Ihnen, sich optimal vorzubereiten.

Wenn Ihre Partnerin seit einer halben Stunde regelmäßig alle fünf bis sieben Minuten Wehen hat und sie das Gefühl hat, dass sie unangenehm werden, wird es Zeit, für den Aufbruch. Je nachdem, wie weit Sie es haben, sollten Sie lieber etwas eher losfahren bzw. Ihre Hebamme(n) anrufen. Wenn Sie Ihren Geburtsort erreicht haben, versuchen Sie ruhig zu bleiben. Es wird meist nicht Konkretes von Ihnen verlangt und Ihre Partnerin unterstützen Sie am besten, indem Sie für sie da und aufmerksam für ihre Bedürfnisse sind. Unterstützen Sie sie beim Einnehmen von für sie bequemen Positionen, schlagen Sie ihr vor, verschiedene Positionen zu variieren und nehmen Sie ihr eventuell anstehende Formalitäten ab.

Eine Geburt markiert einen wichtigen Übergang, der für Frau und Kind mit Schmerzen und Anstrengungen verbunden ist. Ihre Partnerin mobilisiert all ihre Kräfte, um Ihrem Kind gut auf die Welt zu helfen. Stöhnen, Schreien und Wehklage unter der Geburt sind daher alles andere als ein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck der immensen Kraft Ihrer Partnerin, für die sie tiefe Anerkennung verdient hat.

Wenn Sie - wie viele Männer - befürchten, dem Geburtserlebnis in seiner Gänze nicht gewachsen zu sein, überlegen Sie gemeinsam mit Ihrer Partnerin, was Sie miterleben möchten und was nicht. Klären Sie, bereits vorher mögliche Auszeiten für sich selbst, um in für Sie beide entscheidenden Momenten ganz für sie da sein zu können.

Grundsätzlich können Sie Ihre Rolle bei der Geburt "irgendwo zwischen Trainer und Coach und Anwalt und Vermittler" (Richter & Schäfer 2005, S. 64) sehen: Loben Sie Ihre Partnerin, bieten Sie ihr eine Massage oder einen Tee an, aber rechnen Sie auch damit, dass Ihre Angebote in dieser Ausnahmesituation auch einmal etwas weniger freundlich als sonst zurückgewiesen werden können.

Wenn bei der Geburt Komplikationen auftreten sollten, versuchen Sie bei Ihrer Partnerin zu bleiben, es sein denn, es ist wirklich medizinisch notwendig, dass Sie den Kreißsaal verlassen.

Versuchen Sie, bereits vor der Geburt zu klären, dass Sie, Ihre Partnerin und Ihr Kind direkt nach der Geburt einige Zeit für sich haben, um einen ersten intensiven Kontakt aufzubauen. Diese Phase direkt nach der Geburt nennt sich "bonding", was soviel wie feste Verbindung herstellen bedeutet. Nutzen Sie die ersten Tage und Wochen nach der Geburt, um diese feste Verbindung auszubauen und nehmen Sie sich soviel Zeit bzw. Urlaub wie möglich, um in das neue Leben als Familie hineinzuwachsen.

Literatur

Veranstaltungen

02/2012 zurück vor
KW MoDiMiDoFrSaSo
05     01 02 03 04 05
06 06 07 08 09 10 11 12
07 13 14 15 16 17 18 19
08 20 21 22 23 24 25 26
09 27 28 29        

Suchen >>>

Thema des Monats

Interview mit Ministerin Ute Schäfer: „Aktive Vaterschaft – erforscht, erwünscht, erledigt?“