Wissenschaft: Warum werden manche Männer Väter und andere nicht?

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Wissenschaft: Warum werden manche Männer Väter und andere nicht?

familie__Gerd_Altmann_dezignus_com_pixelio_de_mod_100Welche Faktoren tragen dazu bei, dass sich Männer dafür entscheiden, Kinder zu bekommen? Auf diese Frage suchten Schweizer Gender-Forscherinnen und -Forscher, die sich mit Geschlechterrollen in der Gesellschaft beschäftigen, eine Antwort. Medizinische Untersuchungen zeigen: Auch Hormone spielen eine Rolle.

Forscherinnen und Forscher am Zentrum für Gender Studies (Geschlechterforschung) der Universität Basel beschreiben die Entscheidung für oder gegen eine Familiengründung als einen komplexen Prozess, in den unterschiedliche Aspekte einfließen, die für jeden Mann anders sind. Es spielen eigene biografische Erfahrungen in der Herkunftsfamilie, das Lebensalter und die aktuelle Lebensphase ebenso eine Rolle wie die berufliche und ökonomische Situation. Auch die jeweiligen Vorstellungen davon, wie Männlichkeit und Vaterschaft gelebt werden sollte, sind mit ausschlaggebend für die Entscheidung. Die Forscherinnen und Forscher, die 2010 für ihre Studie 60 Interviews mit Deutschschweizer Akademikern unterschiedlichen Alters durchführten, fanden heraus, dass es für die meisten Männer zum traditionellen Bild von Männlichkeit gehört, eine Familie zu haben. Interessanterweise setzt das aber nicht unbedingt einen eigenständigen Kinderwunsch voraus.

Prozess des Bereitwerdens

Bei den interviewten Vätern ging der Familiengründung ein Prozess des innerlichen und äußerlichen Bereitwerdens für die Vaterschaft voraus. In diesem Prozess setzten sie sich mit ihren Erwartungen, Unsicherheiten, Hoffnungen und Wünschen in Bezug auf eine mögliche Vaterschaft auseinander. Für Männer mit ausgeprägtem Kinderwunsch gestaltet sich der Prozess einfacher. Sie vertrauten darauf, dass es ihnen gelingen werde, eine stabile Vater-Kind-Beziehung aufzubauen.

Ideal: "emotional involvierter, präsenter Ernährer-Vater"

Obwohl viele der Interviewpartner in Partnerschaften mit traditioneller Rollenverteilung lebten, lehnten alle Männer - oft in Abgrenzung vom eigenen Vater - die Rolle als weitgehend abwesender Familienernährer ab. Die Vorstellung von einem "guten" Vater hat sich verändert. Präsenz in der Familie und eine intensivere Beziehung zu den Kindern gehören inzwischen zum Bild von Vaterschaft. Gleichzeitig besteht das Bild vom Vater als Haupternährer der Familie fort. "Das derzeit vorherrschende Ideal von Vaterschaft lässt sich als emotional involvierter, präsenter Ernährer-Vater umschreiben", heißt es in der Studie. Dieses Ergebnis und den damit einhergehenden (Zeit)-Konflikt zwischen beruflichen und familiären Ansprüchen belegt auch die Forsa-Studie von 2011 über die vaeter.nrw.de berichtete.

Neue Rollenaufteilung

Hält diese Ausgangslage Männer davon ab, Vater zu werden? "Nicht unbedingt", sagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. "Einige unserer Interviewpartner haben es im Vorfeld der Familiengründung regelrecht zur Bedingung gemacht, nur dann Vater werden zu wollen, wenn sie sich auch in größerem Umfang selbst um das Kind kümmern können und nicht allein für das Familieneinkommen zuständig sind." Für andere Männer sind die hohen Ansprüche allerdings ein wichtiger Grund, sich gegen Kinder zu entscheiden. Viele Männer konnten sich nicht vorstellen für Familie und Kinder ihre Freiheit und Ungebundenheit einzuschränken, Verantwortung zu übernehmen und sich festzulegen.

Hoher Testosteronspiegel begünstigt Fortpflanzung

Studien von Anthropologen belegen indes noch ganz andere Einflussfaktoren für das Vater werden. Bereits seit längerem bekannt ist, dass bei Vätern die Konzentration des männlichen Sexualhormons Testosteron im Blut niedriger ist als bei kinderlosen Männern. Unklar war bislang, ob dies auch vor der Vaterschaft so war und mithin Männer mit niedrigem Testosteronspiegel eher Väter werden als andere. Neue, im US-Fachmagazin PNAS vom September 2011 veröffentlichte Ergebnisse einer Langzeitstudie auf den Philippinen zeigen, dass das Gegenteil richtig ist. Männer mit hohem Testosteronspiegel scheinen eher eine Frau zu finden und Väter zu werden als Männer mit weniger Testosteron im Blut. Die Vaterschaft führt anschließend zu einem drastischen Absinken dieses Hormons im Blut. Auch die Art, wie die Männer ihre Vaterschaft leben, hat Einfluss auf den Hormonhaushalt. Väter, die täglich drei und mehr Stunden für die Betreuung und Pflege ihrer Kinder zuständig waren, wiesen einen niedrigeren Testosteronspiegel auf als solche, die nicht oder kaum in die Kinderbetreuung eingebunden waren.

(vaeter.nrw.de, 22.09.2011)

Foto: Gerd Altmann/dezignus.com  / pixelio.de

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