Ein Fußballturnier, Lego-Bau-Vormittage oder Bewegungstreffs - die RAA der StädteRegion Aachen und die Caritas in Düsseldorf haben gut nachgefragte interkulturelle Vater-Kind-Freizeitangebote geschaffen. Um darüber zu informieren, stellen die Angebotsleiter ihre Projekte in Familienzentren, auf Elternabenden und in persönlichen Gesprächen vor.
"Den meisten Väter macht es viel Spaß, zusammen mit ihren Kindern etwas zu unternehmen oder einfach zu spielen", berichtet Timur Bozkir. Er ist für die Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) der StädteRegion Aachen tätig und bezieht bereits seit sieben Jahren Väter in seine Bildungsarbeit für Kinder mit ein. Seine Freizeitprojekte für Väter und ihre Kinder haben inzwischen großen Zulauf. "Erziehungsaufgaben liegen traditionsgemäß oft allein bei den Müttern. Dabei sind beide Elternteile für die Kinder wichtig. Wer bei unseren Angeboten mitmacht, nimmt sich Zeit und Raum für sich und sein Kind oder seine Kinder", erklärt Timur Bozkir.
Fußball spielen, zelten und Lego bauen
Inzwischen veranstaltet die RAA der StädteRegion Aachen ein jährliches Vater-Kind-Fußballturnier. Außerdem schaffte sie es, Väter und ihre Kinder für Wochenenden mit - bei den Männern zunächst eher unpopulärer, dafür sehr beziehungsintensiver - Zeltunterkunft zu begeistern und auch dies zur jährlichen Institution werden zu lassen. In Kooperation mit Kindertagesstätten bietet sie zudem mit großem Erfolg samstägliche Vater-Kind-Lego-Bau-Vormittage an. Ihre Projekte richten sich ausschließlich an Familien mit Zuwanderungsgeschichte. "Wir machen das nicht, weil Väter mit Migrationshintergrund andere Probleme oder Fragestellungen hätten, sondern weil unsere Praxiserfahrung zeigt, dass es Hemmschwellen gibt, die die Väter so leichter überwinden", sagt Timur Bozkir. "Wer einmal dabei war und 'Lunte gerochen' hat, besucht dann nämlich auch andere Väter-Veranstaltungen, die den Teilnehmerkreis nicht einschränken."
Väter und Kinder in Bewegung bringen
Uwe Stellmacher ist Leiter des Projekts "VäterStolz" und bei der Caritas im Düsseldorfer Stadtteil Rath tätig. Er macht "Sport" mit Vätern und ihren Söhnen zwischen zwei und sieben Jahren. Außerdem bietet er eine regelmäßige Sprechstunde an. Weitere Projekte sind beispielsweise jährliche Aktionen im Rahmen der "interkulturellen Woche". "Viele Männer arbeiten sehr viel, um genügend Geld für den Unterhalt ihrer Familie zu verdienen", erläutert er. "Am Wochenende gibt es auch immer jede Menge zu tun. Manchmal ist es dann schwierig, für gemeinsame Aktivitäten mit dem Kind oder den Kindern die nötige Muße zu finden." Das Angebot der Caritas in Rath schafft Raum für die Begegnung von Vätern und Söhnen. "Es ist schön für die Kinder, auch andere Väter mit anderen Talenten zu erleben. Das bereichert ihr Männerbild." Den "Bewegungstreff" von Uwe Stellmacher nutzen auch viele Väter mit Zuwanderungsgeschichte, die im Stadtteil wohnen. Speziell auf sie ausgerichtet ist das Angebot jedoch nicht. Uwe Stellmacher findet eine solche Abgrenzung schwierig: "Was heißt überhaupt Zuwanderungsgeschichte? Meine Eltern kommen aus Danzig und Breslau. Wenn wir Familiengeschichten genau betrachten, stoßen wir doch bei fast jedem auf einen Migrationshintergrund."
Beziehungen aufbauen und persönlich werben
Wenn es darum geht, die Väter für die Teilnahme an den Angeboten zu gewinnen, kommen oft die Mütter ins Spiel. "Viel läuft über die Frauen, zu denen wir über andere Programme, wie 'Rucksack' und 'Griffbereit', die schon länger bestehen, Kontakt haben", sagt Timur Bozkir. "Sie wünschen sich vielfach Aktionen für die Väter, erzählen ihren Männern dann von den Terminen und motivieren sie hinzugehen." Außerdem ist "Mundpropaganda" unerlässlich, sind sich Timur Bozkir und Uwe Stellmacher einig. "Ich bin mit 'VäterStolz', meinem Beratungs- und Freizeitangebot für Väter, in ein großes Familienzentrum eingebunden, das vier Träger unter einem Dach vereint. Das ist ein ungeheurer Pluspunkt. Hier kommen viele Menschen sowieso hin und ich kann im persönlichen Gespräch für meine Angebote werben," sagt Uwe Stellmacher. Das Integrationsbüro der StädteRegion Aachen, deren Bestandteil die RAA ist, profitiert ebenfalls von der langjährigen Kooperation mit den Kindertagesstätten, pflegt soziale Kontakte darüber hinaus und nutzt Vortragsmöglichkeiten, zum Beispiel auf Elternabenden. "Dass die Väter zu uns kommen, hat viel mit Vertrauen zu tun und das gewinnen sie beim persönlichen Kennenlernen."
Zusammenarbeit mit Türkischem Kulturverein
"Es gibt jedoch Familien und Väter, die wir über unsere Anbindung an Bildungseinrichtungen kaum erreichen", gibt Dr. Hakan Akgün, Leiter der RAA in Remscheid, zu bedenken. Er arbeitet daher schon seit Jahren zusätzlich intensiv und sehr erfolgreich mit dem Türkischen Kulturverein ATIB zusammen. Zunächst ging es darum, den Verein dabei zu unterstützen, Integrationsangebote zu entwickeln und umzusetzen. Inzwischen gibt es ein Bildungsprojekt, das sich speziell an Väter wendet und sie informiert und motiviert, in der Kindererziehung einen aktiveren Part zu übernehmen. "Der Kulturverein ist Freizeittreff für die Familien und Ort, an dem gefeiert wird. Die Menschen gehen auch zu anderen gemeinsamen Aktivitäten dorthin", berichtet Hakan Akgün. "Unsere Vortragsveranstaltungen, zu denen übrigens auch immer Mütter und Jugendliche kommen, legen wir so, dass sie vor dem Freitagsgebet oder am Sonntag vor dem Abendgebet liegen. Das lässt sich für die Männer dann gut verbinden." Das Konzept sei jedoch kein Selbstläufer: "In anderen Vereinen klappt es teilweise weniger gut. Es ist wichtig, dass die Vereinsleitung voll dahinter steht."
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Beiträge zum Thema "Väter mit Zuwanderungsgeschichte" auf vaeter-nrw.de: