Erlebnis: Vater-Kind-Wochenende

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Erlebnis: Vater-Kind-Wochenende

IS065-060_100Eigentlich wollte ich das schon lange Mal mitmachen. Ein Wochenende nur mit meinen Kindern erleben. Aber Ausreden gab es immer: Erst waren sie mir noch zu klein, dann fehlte es an Gelegenheiten, oder mich überkamen Zweifel, ob ich auch am Wochenende die nötige Kraft, Ausdauer und Geduld für die beiden aufbringen könnte.

Ich bin seit sechs Jahren in Elternzeit und meine Frau verdient das nötige Geld für den Lebensunterhalt. Das Wochenende ist dann oft auch Rückzugszeit für mich. Aber als ich dann im Frühjahr auf den Aushang vom Verein mannigfaltig in Hannover stieß, gab es nur eins: anmelden.

Die Ausschreibung sprach mich an: Ein Wochenende nur für Väter mit ihren Kindern bis zum Alter von 10 Jahren, das geleitet wird von einem erfahrenen Väterarbeiter. Es geht darum, sich Zeit zu nehmen für gemeinsames Spielen, für die Natur, für einander - und Kinder und Väter können auch neue Freunde finden. Alle Unternehmungen werden gemeinsam geplant, die Abende (wenn die Kleinen dann schlafen) bieten Raum für die Themen der Väter, z.B. Leben zwischen Beruf und Familie, Erziehungsfragen, Freundschaft, Partnerschaft.

Nun also gab es kein Zurück mehr, und ich packte am Freitag die Sachen für die Kinder und mich. Wie wird das Wetter? Was erwartet uns an Aktivitäten? Wie viele Hosen, Windeln, Socken werden nass? Und noch irgendwie die "coolen" Pullover waschen und trocknen. Bei den Spielsachen und den Kuscheltieren ließ ich mir einfach von Hannah (6 Jahre) und Arne (3 Jahre) helfen. Da ich keinen Anhänger für das Auto habe, musste ich deren Auswahl dann nur noch auf das Nötigste begrenzen. Danach war ich reif für 'ne Woche Urlaub. Nein, besonders fit war ich wirklich nicht. Aber mindestens so gespannt wie Hannah und Arne.

Weggehen & Ankommen

Das Haus in Bad Münder liegt am Ortsausgang direkt unterm Süntel. Ein altes Fachwerkgebäude mit einem riesigen Gartengrundstück, vielen Bäumen und einem Bachlauf. Drinnen angekommen war meine Anspannung sofort verflogen. In der Küche waren bereits einige Männer mit der Vorbereitung für das Abendessen beschäftigt, zahlreiche Kinder liefen in Gruppen durch die Flure oder waren im Garten. Auch kamen immer noch mehr Familien an. Trotz des Trubels empfand ich eine angenehme Gelassenheit aller und war positiv erstaunt. Axel von mannigfaltig zeigte uns die noch freien Zimmer, von denen wir uns eines aussuchten. Hannah und Arne packten gleich ihre Rucksäcke aus und ich bezog die Betten. Von da an ließ ich mich einfach treiben...

Nach dem Abendessen gab es einen Kreis für alle mit erster Vorstellungsrunde, mit Spielen zum Kennenlernen und einer Guten-Nacht-Geschichte. Symbolisch standen für jede Familie eine Kerze im Kreis und drei große Kerzen für die drei Tage des Wochenendes. Dann war es schon spät, aber selbst die Zwei- und Dreijährigen hielten bis zum Ende durch. Als endlich achtzehn Kinder schliefen, trafen sich dreizehn Männer zum Gespräch, zum nochmaligen Kennenlernen, zum Entspannen, Planen des folgenden Tages und Spaß haben. Ab und zu musste ein auftauchendes Kind wieder zu Bett gebracht werden, aber sonst verbrachten wir den ganzen Abend, wie auch den folgenden, in einer gemeinsamen Runde. Ich hatte das Gefühl, in einer Familie angekommen zu sein.

Genießen

Die Nacht verlief wunderbar ruhig und endete zu meinem Erstaunen erst gegen sieben Uhr - sonst muss ich früher hoch. Im Haus roch es schon nach Kaffee und frischen Brötchen. Nach dem Frühstück ging es raus. Wir erkundeten das Gelände und sammelten nebenbei Feuerholz für das geplante Lagerfeuer am Abend. Eine mitgebrachte Torwand wurde aufgebaut und verschiedene Ballspiele gaben Gelegenheit, sich wieder ein paar mehr der vielen Namen zu merken.

Gegen Mittag machten wir uns in zwei Gruppen hintereinander auf den Weg in den Wald. Schnitzeljagd. Die Räuber gingen vor und markierten den Weg. Die Väter mit den kleineren Kindern blieben in der zweiten Gruppe. Es wurde für die Kinder eine spannende Suche, auf dessen Weg es auch Aufgaben zu lösen gab. Nachdem die Räuber gefunden worden waren, gab es den mitgebrachten Proviant zur Stärkung. Nach einer Zeit des Freispiels machten wir uns dann auf den gemeinsamen Rückweg. Sogar die drei kleinsten schafften den fast vierstündigen Ausflug mit nur kurzen Gehpausen im Bollerwagen oder auf Papas Armen.

Den ständigen Regenschauern trotzten wir mit einem Abendessen vom Grill. Auch das Lagerfeuer kam irgendwie in Gang. Die kleineren Kinder waren an diesem Abend schon früher im Bett. Alle anderen bereiteten sich Stockbrot am Feuer. Das war für Hannah und viele andere das absolute Highlight. Danach projizierte Lutz ein mitgebrachtes Bilderbuch an die Wand und erzählte die Geschichte von Willi Wiberg, der seinen Papa ganz schön auf Trab halten kann. Die Kinder waren begeistert und - endlich im Bett - stand an diesem Abend keines mehr auf.

Ziemlich viel erlebt

Am Sonntag wurde ausgeschlafen und ausgiebig gefrühstückt. Heute war auch Abreisetag. Nach Packen und Putzen mussten wir leider schon gegen Mittag weg. Die Pizza für das Mittagessen dampfte schon im Ofen und die meisten Familien blieben sicher bis ganz zum Schluss, der - wie ich vermute - mit einem Kerzenkreis besiegelt wurde.

Auf der Rückfahrt im Auto waren Hannah, Arne und ich voller Eindrücke vom Erlebten. Wir hatten außerhalb des Alltags etwas Schönes zusammen unternommen. Ich hatte Zeit nur für die Zwei, wir hatten andere Papas mit ihren Kindern erlebt und ich konnte mich in Gesprächen mit den Vätern austauschen, reflektieren. Mir wurde bewusst, dass ich – trotz der Unterschiede in den Lebenssituationen der Familien - einer von ihnen bin, nämlich ein ganz normaler Papa. Und dass Vater-Sein einfach eine tolle Sache ist. Im Hausmanns-Alltag vergesse ich das allzu oft. Und den Geldverdiener-Vätern geht es mit ihrer Situation ähnlich, nämlich das Gefühl zu haben, den eigenen und den Ansprüchen der Kinder nicht immer gerecht werden zu können.

Ich nahm für mich viel von der am Wochenende empfundenen Gelassenheit mit und kann meinen Alltag jetzt mehr genießen. So stellte sich bei mir sogar so etwas wie ein Kurerfolg ein - eine Vater/Kind-Minikur. Hannah, Arne und ich sind uns einig: Das will wiederholt werden. Bald. Und ich kann jedem Vater in jeder Lebenssituation dasselbe nur wärmstens empfehlen.

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