Für fast 90 Prozent der vaeter-nrw.de-Nutzer, die sich an den Umfragen zum Themenfeld "Väterangebote" beteiligten, ist der Austausch mit anderen Vätern wichtig. Dass Angebote nur für Väter bzw. für Väter und Kinder ihre Bedürfnisse träfen, meinen aber nur gut die Hälfte der Umfrageteilnehmer. Etwa genauso viele informieren sich regelmäßig über solche Angebote. Sozialwissenschaftler Rainer Volz, Mitherausgeber der Studie "Männer in Bewegung", kommentiert die Ergebnisse.
In den Monaten Januar bis März 2010 befragte vaeter-nrw.de seine Nutzer unter "Ihre Meinung" zu Väter- bzw. Vater-Kind-Angeboten. Die Einstiegsfrage lautete "Ist Ihnen der Austausch mit anderen Vätern wichtig?" Die Antwort der vaeter-nrw.de-Nutzer fiel sehr eindeutig aus: 89,9 Prozent votierten mit "ja" (79,4 %) und "eher ja" (10,4 %). Nur 10,2 Prozent der Umfrageteilnehmer klickten "eher nein" bzw. "nein" an. Der Sozialwissenschaftler Rainer Volz, Leiter der Männerarbeit der Evangelischen Kirche im Rheinland und Mitherausgeber der Studie "Männer in Bewegung", sagt: "Ein überraschendes und schönes Ergebnis. Ich führe den großen Zuspruch für einen Austausch unter Vätern jedoch auch darauf zurück, dass sicherlich überwiegend eine bestimmte Gruppe von Vätern die Seite nutzt, nämlich, die drei Viertel der Väter, die sich gemäß unser Männerstudie nicht mehr in der traditionellen Ernährerrolle sehen. Sie streben danach, ihr Vatersein aktiver zu leben. 20-25 Prozent von ihnen gelingt das bereits. Sie engagieren sich gleichberechtigt im häuslichen Bereich und bei der Erziehung und Pflege der Kinder." Das Ergebnis zeige auch, dass den Väter-Angeboten eine deutliche Nachfrage gegenüberstehe.
Allerdings antworteten nur etwas über die Hälfte der Umfrageteilnehmer auf die zweite Frage, dass Väter- und Vater-Kind-Angebote ihre Bedürfnisse träfen. (50 % "ja", 7,5 % "eher ja"). Immerhin 42,8 Prozent fühlen sich von den Angeboten weniger oder gar nicht angesprochen. "Praxiserfahrungen mit eigenen Angeboten zeigen, dass Väter Angebote mit Erlebnischarakter, zum Beispiel gemeinsames Kanu-Fahren oder Klettern bevorzugen. Das gemeinsam Erlebte schafft die Basis für den Austausch und die Männer sprechen dann die Fragen an, die sie bewegen." Angebote, die die Fragestellungen sehr direkt thematisierten und in Vorträgen oder Workshops bearbeiteten, kämen, das zeige die eigene Erfahrung und auch die anderer Anbieter, nicht so gut an. "Das ist den Vätern dann oft zu gesprächsorientiert. Auch wenn etwas zu pädagogisch oder therapeutisch wirkt, machen Männer mehrheitlich nicht mit", sagt Rainer Volz. "Sie wollen nicht auf die 'Couch gelegt' werden, sondern ihre Kompetenzen einbringen."
Die dritte Frage des Themenblocks lautete "Informieren Sie sich regelmäßig darüber, welche Angebote es speziell für Väter gibt?".45 Prozent sagten "ja". Für "eher ja" gab es gar keine Stimme. 15 Prozent und 40 Prozent informieren sich eher nicht bzw. nicht. "Entweder richtig oder gar nicht. So könnte man das Ergebnis zusammenfassen", sagt Rainer Volz. "Wir müssen uns ja darüber im Klaren sein, dass Männer, die diese Angebote nutzen, eine Minderheit sind. In unserer Studie ermittelten wir, dass zehn bis 15 Prozent der Männer sich in Männergruppen und -kreisen engagieren. Bei den Vätern, die sich an Väterangeboten beteiligen, mag die Zahl ähnlich - eventuell etwas höher - ausfallen. Diese Väter sind das, was Soziologen als 'signifikante Minderheiten' bezeichnen. Das sind Gruppen, die Dinge ausprobieren und damit gesellschaftlich vorantreiben. Teilnehmer an Vater-Kind-Angeboten sind so betrachtet gesellschaftliche Pioniere."
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