Jede Väter-Initiative hat ihre individuelle Entstehungsgeschichte und entwickelt dadurch ein ganz eigenes Profil. Vaeter-nrw.de stellt "Väter bewegen WAT" aus Wattenscheid sowie das "Väternetzwerk Medinghoven" aus Bonn vor.
"Väter bewegen WAT"
"Ich genieße unser Familienleben intensiv und habe eine enge Bindung zu meinen beiden Kindern", sagt Ulli Weber, der seit zwei Jahren in Wattenscheid bei "Väter bewegen WAT" dabei ist. "In der Gruppe finde ich Väter, die das genauso machen. Das verbindet uns." "Väter bewegen WAT" entstand 2005 aus einem kirchlichen Projekt mit dem Namen "Väter bewegen was". In vielen Kindergärten hatten sich im Rahmen dieser Initiative, die Väter stärker in den Erziehungs- und Kita-Alltag integrieren sollte, Väter-Gruppen gebildet. Die meisten lösten sich jedoch nach Projektende wieder auf. "Wir haben weiter gemacht, etwas Eigenes daraus kreiert und dem Namen unserer Gruppe mit WAT für Wattenscheid einen örtlichen Stempel aufgedrückt", berichtet Ulli Weber. Die Väter waren sich einig, gemeinsam mit den Kindern mehr unternehmen zu wollen: Radtouren, Schwimmen gehen, den Zoo besuchen. Schließlich entstand die Idee, einmal jährlich ohne Mütter zelten zu gehen.
Top-Event: Vater-Kind-Zelten im Brexbachtal
20 Väter sind in der Gruppe aktiv und fahren nun einmal im Jahr gemeinsam mit ihren Kindern für ein verlängertes Wochenende zum Zelten ins Brexbachtal bei Neuwied. "Das ist Lagerfeuerromantik fernab der Zivilisation und ganz ohne Handynetzabdeckung", schwärmt Ulli Weber und berichtet vom jüngsten Teilnehmer, der bei seinem ersten Zeltausflug gerade einmal neun Monate alt war. Das jährliche Väter-Kinder-Zelten ist eine Konstante im Leben der Gruppenmitglieder, die sich monatlich treffen. "Dann planen wir oder tauschen ganz einfach Neuigkeiten und unsere Erfahrungen mit den Kindern aus", berichtet Ulli Weber. Neben dem Zelten entwickelten sich inzwischen auch andere gemeinsame Aktionen: "Mit Pinsel und Farbe gestalteten wir vor zwei Jahren einen Schulhof, dessen Motive wir gerade wieder auffrischten", berichtet er. "Außerdem sprangen wir letztes Jahr quasi in letzter Minute ein, als die katholische Kirche den traditionellen St.-Martins-Umzug nicht ausrichten konnte", erzählt der Vater. "Das hat uns sehr viele Sympathien eingebracht." Dass die Väter das Großereignis so schnell auf die Beine stellen konnten, hat mit den guten Netzwerken zu tun, über die die Väter verfügen. "Wir haben freundschaftliche und auch geschäftliche Kontakte zu örtlichen Handwerksbetrieben, Vereinen, der Verwaltung und sogar einen Zugführer der freiwilligen Feuerwehr im Team. Das ist schon praktisch." Natürlich sind die Väter auch am Vatertag unterwegs. Weber schmunzelt: "Das ist aber eher eine Radtour als eine Sauftour."
Wer dabei ist, ist auch aktiv
Einen Verein haben die Väter aus ihrem losen Zusammenschluss ganz bewusst noch nicht gemacht. "Dann müssten wir Ämter vergeben. So liegt die Verantwortung bei allen gemeinsam. Das ist besser", meint der Familienvater. Stille Mitglieder gibt es bei "Väter bewegen WAT" nicht. Wer dabei ist, ist auch aktiv. "Natürlich fehlt mal der eine oder andere, aber wenn es zum Zelten geht, sind wir sozusagen zu 100 Prozent am Start", freut sich Ulli Weber. Ansonsten ist die Gruppe sehr spontan. Als es im Winter tollen Neuschnee gab, ging eine SMS rum und die Väter trafen sich abends zum Väter-Rodeln. "Zum Vater-Kind-Kochen haben wir uns mal geschlossen bei der Familienbildungsstätte angemeldet. Das sprengte aber die geplante Veranstaltung und wir bekamen dann einen eigenen Termin", lacht Ulli Weber, der über eine Empfehlung zur Gruppe gestoßen ist. Die Väter freuen sich über Interessierte aus Wattenscheid, die mitmachen wollen. Informationen gibt es auf der neu gestalteten Homepage unter www.vaeter-bewegen-wat.de.
"Väternetzwerk Medinghoven"
Ganz anders sehen die Wurzeln des Väternetzwerks Medinghoven aus: Es startete 2007 als gewaltpräventives zunächst auf ein halbes Jahr ausgelegtes Vater-Sohn-Projekt. Der im Bonner Westen gelegene Stadtteil Medinghoven zeichnet sich durch eine junge multikulturelle Bevölkerung aus. Menschen aus 78 Nationen leben hier zusammen. Fast ein Viertel der Einwohner ist unter 18 Jahre alt. Gleichzeitig ist auch der Anteil der Arbeitslosen überdurchschnittlich hoch und viele Jugendliche zeigen eine hohe Gewaltbereitschaft. "Unsere Projektidee setzte indirekt bei den Vätern der Medinghovener Jugendlichen an", berichtet Inse John von der Evangelischen Jugendhilfe Godesheim, die das Projekt gemeinsam mit der Gemeinnützigen Evangelischen Gesellschaft für Kind, Jugend und Familie (KJF), dem Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Bonn, sowie dem Stadtteilbüro der Diakonie in Medinghoven begleitete. Inzwischen ist aus dem Gewaltpräventionsprojekt eine dauerhafte von Dimitri German geleitete Einrichtung geworden: Das Väter Netzwerk Medinghoven.
Engagement für den Stadtteil
"Das Netzwerk bringt die Väter miteinander in Kontakt und eröffnet ihnen Möglichkeiten, im und für den Stadtteil aktiv zu werden", sagt er. "Rund zehn Väter gehören zum aktiven Kern unserer Väter-Initiative. Manche sind von Anfang an durchgängig dabei, bei anderen ist das Engagement zeitlich begrenzt", berichtet Dimitri German. "Wenn Väter Arbeit finden, dann fehlt oft die Zeit für das aktive Mitmachen im Netzwerk. Weitere Väter kamen dazu, weil der Sozialberater Reinhard Jansen des Stadtteilbüros der Diakonie auf diese Möglichkeit aufmerksam machte. Inzwischen haben viele von unserem Väter Netzwerk gehört, denn wir sind jetzt eine anerkannte Institution im Stadtteil. Wir werden angefragt, wenn es etwas ehrenamtlich für die Gemeinschaft zu tun gibt." Zum Beispiel strichen die Väter des Netzwerks Schulwände oder bauen Holzspielzeug für Kindergärten. "Viele Väter sind handwerklich begabt. Da haben wir einen echten Kompetenzpool", freut sich Dimitri German, bei dem sogar schon Anfragen aus benachbarten Stadtteilen eingingen.
Väter setzen immer neue Ideen um
"Vieles entwickelte sich aus den Interessen und Kenntnissen der Väter heraus", berichtet Dimitri German. "Seit einiger Zeit bieten wir Vater-Kind-Schwimmen an, das inzwischen einer der Väter ehrenamtlich leitet. Außerdem schreiben die Väter einen Stadtteilblog. Das ist ein Thema, das auch ihre jugendlichen Kinder anspricht, die wir in die Väter Netzwerk-Aktivitäten gerne mit einbinden." Und es gibt schon weitere neue Ideen: "Wir wollen gerne eine Fahrradwerkstatt einrichten und auch eine Musikgruppe ist in Planung", erzählt Dimitri German. "Der Funken ist übergesprungen: Wer bei uns mitmacht, kann seine Fähigkeiten einbringen und erntet Anerkennung für sein Engagement. Das macht den Vätern Spaß und stärkt sie und ihre Familien." Anerkennung kam auch vom Land Nordrhein-Westfalen: Das "Väter Netzwerk Medinghoven" wurde als "Innovationsidee 2008" ausgezeichnet und erhielt Ende vergangenen Jahres den "Robert-Jungk-Preis".
Foto: Väternetzwerk Medinghoven
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