Porträt: Lutz Debus - ein Stück Familie für Heiko

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Porträt: Lutz Debus - ein Stück Familie für Heiko

Lutz Debus, Sozialpädagoge aus Neuss und Vater von zwei Töchtern, ist einmal pro Woche für den 17jährigen, vaterlosen Heiko da - um ihn auf seinem Weg ins Leben über die eine oder andere Klippe zu begleiten.

Es ist Montag, 17.00 Uhr. Gerade ist Heiko, 17 Jahre alt, aufgestanden. In einer halben Stunde beginnt sein Hauptschul-Kurs in der Volkshochschule. Dass er überhaupt so früh auf den Beinen ist, ist das Verdienst von Lutz Debus. Seit über einem Jahr treffen sich der 47-jährige Sozialpädagoge aus Neuss und der Jugendliche ohne Abschlusszeugnis einmal pro Woche für zwei Stunden. Abends, natürlich, nach 21.00 Uhr.

Fremde Welten

"Als ich Heiko kennenlernte, war er um diese Zeit bestenfalls knapp aus dem Bett aufgestanden", erinnert sich Lutz Debus. Der Kontakt kam über das Jugendamt einer Kleinstadt bei Düsseldorf zustande. Nach einem Vorgespräch mit der Mutter und der zuständigen Amtsperson ließ er sich auf das Abenteuer ein, einen Sechzehnjährigen zu betreuen. "Anfangs saßen wir nur vor dem Computer, besiedelten mit Raumschiffen ferne Galaxien, bekämpften gegnerische Flotten, kauften Bomben und Kanone", beschreibt Lutz Debus die ersten Wochen. Der Kontakt war zunächst schwierig: "Ist doch klar. Da kommt ein alter Mann, der irgendwas mit dem Jugendamt zu tun hat, und will was von dir. Da ist niemand aufgeschlossen."

Doch mit der Zeit akzeptierte Heiko ihn. Weil er einfach da saß, sich von ihm seine fernen Galaxien erklären ließ, von sich und seinem Tag, auch von seiner Familie erzählte. Zur Kontrolle des Tagesablaufs ließ er sich nicht hinreißen: "Das Wichtigste ist doch, Vertrauen aufzubauen. Und das geht nicht, wenn ich hinter ihm her schnüffele", konstatiert Debus.

Langsam kamen sie sich näher, der Junge, dessen Vater gestorben war, und der Betreuer. Sie sahen sich gemeinsam alte Eastern an und hörten harten britischen Independent-Sound. Debus brachte seine Gitarre mit und Heiko übte erste Akkorde. "Inzwischen ist er fast besser als ich", lobt er seinen Schützling. Der Stolz ist ihm anzumerken: "Neulich hat er seine erste Eins geschrieben", berichtet er. Und schämt sich nicht, väterliche Gefühle zuzugeben.

Seine beiden Töchter, sieben und zwölf Jahre alt, sehen den "neuen Bruder" nicht als Konkurrenten. "Ein Abend in der Woche, noch dazu spät - da geht den beiden kaum Zeit mit mir verloren", sagt Debus. Seine Frau trägt sein Engagement mit.

Ein Mann zum Anfassen

Heiko hat im ersten Vierteljahr seines VHS-Kurses nur zwei Tage versäumt. Ein Riesenerfolg, war er doch vorher jahrelang nur sporadisch in der Schule erschienen. Debus führt das auf die Betreuung zurück. "Ich bin für ihn ein lebendiges Männer-Modell", schmunzelt er. Und zeigt ihm, dass er ihm etwas bedeutet. "Mit ihm kann ich die Vater-Sohn-Sachen machen, an denen meine Töchter kein Interesse haben." Eben Gitarre spielen, Gespräche über Politik, die Welt, das Leben ...

Debus fühlt auch einen gesellschaftlichen Auftrag. "Mit solchen Betreuungsmodellen können die Kommunen viel Geld sparen. Sonst ist doch bei vielen Schulabbrechern die Karriere vorgezeichnet: Hartz IV, Abrutschen in Alkohol- oder Drogenmissbrauch." Und resümiert: "Wenn Männer sich ernsthaft um Jungen kümmern, haben sie auch Erfolg!"

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