Häufig ergibt sich ehrenamtliches Engagement aus dem Lebenszusammenhang: So sind zum Beispiel viele Väter in Sportvereinen ehrenamtlich aktiv. Es gibt jedoch noch viele weitere Bereiche, in denen sich Väter engagieren können. Kathrin Michels vom Freiwilligen-Zentrum Aachen berichtet im vaeter-nrw.de-Interview über die Beratung von Ehrenamtlichen, die Vermittlung von Stellen, Einsatzgebiete für Väter sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Ehrenamt.
vaeter-nrw.de: Frau Michels, wie kommen Väter zu einem Ehrenamt?
Kathrin Michels: Vielfach ergibt sich das Ehrenamt durch ihre familiären Lebenszusammenhänge. Die Kinder gehen oft in Sportvereine und dort werden zumeist ehrenamtliche Helfer benötigt. Die Väter übernehmen dann, je nachdem was sie an Vorwissen mitbringen, entsprechende Aufgaben rund um das Vereinsleben. Wir beobachten aber, dass sich heute viele neue Sportarten, zum Beispiel Skaten oder Parcouring, etablieren, zu denen Väter oft nicht mehr einen so unmittelbaren Bezug haben, wie zu den klassischen Sportarten, die sie in ihrer Jugend häufig selbst ausgeübt haben. Ehrenämter ergeben sich daher oft nicht mehr einfach "zufällig". Wer sich engagieren möchte, kann sich aber in einer Freiwilligenagentur, wie unserem Freiwilligen-Zentrum in Aachen, beraten und ein passendes Ehrenamt vermitteln lassen.
vaeter-nrw.de: Was raten sie den Vätern, die zu Ihnen kommen?
Kathrin Michels: Zunächst frage ich sie, welche Interessen sie haben und was sie besonders gut können. Wir sprechen auch über die Motivation für das geplante ehrenamtliche Engagement. Dabei stellt sich bei Vätern häufig heraus, dass sie einen Ausgleich zum Beruf suchen und im Ehrenamt Fähigkeiten einbringen möchten, die im Erwerbsleben nicht "abgerufen" werden. Wer bereits Rentner ist oder bald in den Ruhestand geht, hat oft das Bedürfnis, die langjährigen Erfahrungen aus der Arbeitswelt an junge Menschen weiter zu geben oder die geübten administrativen und organisatorischen Fähigkeiten künftig ehrenamtlich in die Gesellschaft einzubringen. Die Lebenssituation jedes Vaters, der sich hier beraten lässt, ist anders und meine Herausforderung ist es, genau die Aufgabe zu finden, die der Person Freude macht. Bei den rund 200 Angeboten, die wir hier vermitteln, findet sich aber immer etwas Passendes.
vaeter-nrw.de: Wo sind Väter besonders gefragt und wo können sie die Fähigkeiten, die sie in ihrer Vaterrollen erworben haben, besonders gut einbringen?
Kathrin Michels: Väter sind eigentlich in allen Bereichen willkommen, zum Beispiel in der Bahnhofsmission, der Straffälligenhilfe oder der Betreuung von alten, kranken oder behinderten Menschen, im Sport oder in Museen und bei Kulturveranstaltungen. Besonders passend und auch wichtig finde ich den Einsatz von Vätern für Kinder und Jugendliche. Ich vermittele sie zum Beispiel sehr gerne in Kinderheime, wo die Mädchen und Jungen oft quasi nur unter Frauen aufwachsen. Neulich haben wir zum Beispiel für einen Jungen, der gerne angeln wollte, einen Angel-Vater oder -Opa gesucht. Auch als Mentoren für Kinder und Jugendliche halte ich Väter für sehr geeignet. Ihre Erfahrung im Umgang mit Heranwachsenden nützt ihnen da sehr. Ein Engagement für Kinder und Jugendliche setzt eine hohes Maß an Kontinuität voraus. Und es fordert auch eine gewisse Stressresistenz, denn sie sind ja nicht immer die lieben, angepassten Kinder, sondern testen ihre erwachsenen Bezugspersonen und fordern sie heraus. Väter kennen dies vom eigenen Nachwuchs und können daher oft gut damit umgehen. Die Ehrenamtlichen werden in den Projekten zudem sehr gut begleitet. Es finden zum Beispiel regelmäßige verbindliche Reflexionsgespräche statt, in denen die ehrenamtlich Tätigen Situationen noch einmal betrachten und eigenes Verhalten überdenken können. Das hört sich vielleicht etwas anstrengend an, doch ein Ehrenamt bereichert den, der es übernimmt. Das ist eine Win-win-Situation.
vaeter-nrw.de: Ist ein solches Ehrenamt sehr zeitaufwändig? Lässt es sich mit dem eigenen Vatersein und einer Berufstätigkeit überhaupt vereinbaren?
Kathrin Michels: Mehr als zwei bis drei Stunden pro Woche sind die meisten Ehrenamtler nicht im Einsatz. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er diese Zeit erübrigen kann. Alternativ gibt es auch projektbezogene Ehrenämter, die nur über einen fest definierten Zeitraum laufen. Wir machen jedoch die Erfahrung, dass diese Form nicht stark nachgefragt wird.
vaeter-nrw.de: Frau Michels, herzlichen Dank für dieses Gespräch.
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