Wolfgang Buchmann (41) arbeitet als Mess- und Regeltechniker in Köln, ist ehrenamtlicher Trainer einer Jugendfussball-Mannschaft des RSV Urbach 1912 e.V. und - Weihnachtsmann. vaeter-nrw.de sprach mit ihm über diese besondere Rolle.
vaeter-nrw.de: Regelmäßig zur Weihnachtszeit verwandeln Sie sich in einen Weihnachtsmann. Wie kam es dazu?
Weihnachtsmann: Bei unserer ersten Mannschafts-Weihnachtsfeier war klar - ohne Weihnachtsmann geht das nicht. Also habe ich die Rolle kurzerhand übernommen. Ich bin nämlich ehrenamtlicher Trainer einer Jugendfußballmannschaft beim RSV Urbach 1912 e.V., einem der größten Vereine im Kölner Raum. Meine Mannschaft spielt mittlerweile in der F-Jugend. Es sind 13 Jungs, zwischen sieben und neun Jahre alt. Angefangen habe ich, als sie zu den Bambini gehörten. Da waren sie so um die fünf Jahre alt und setzten sich schon mal mitten im Spiel auf den Ascheplatz und bauten kleine Sandhügel.
Trainer wurde ich, weil mein Sohn Fußball spielen wollte und ich ihn im Verein anmeldete. Ich merkte, dass es dort mit dem Training nicht so recht klappte und Not an Mann war. Da bot ich an, zu unterstützen. Irgendwann hatte ich den ganzen Job - und bin immer noch dabei, obwohl mein jetzt achtjähriger Sohn zwischenzeitlich beschlossen hat, auf Leichtathletik umzusteigen. Ich halte diese Aufgabe nämlich für sehr wichtig. Den Jungs tut die Gemeinschaft in der Fußballmannschaft gut, sie lernen viel dabei und finden Freunde - wie ich in meiner Jugend auch.
vaeter-nrw.de: Was passiert, wenn Sie plötzlich ein Weihnachtsmann sind?
Weihnachtsmann: Schon in meinem ersten Jahr als Trainer beschloss ich, mich zur Weihnachtsfeier in einen Weihnachtsmann zu verwandeln. Ein Elternteil besorgte mir ein tolles Kostüm von einem, der das professionell macht. Ich war total eingekleidet, mit riesigem weißem Bart, langem Mantel und allem was dazu gehört. Mein wichtigstes Requisit war und ist aber mein großes, goldenes Buch. Darin steht für jedes Kind etwas ganz Individuelles. Das meiste ist natürlich Lob. Aber ich thematisiere auch die Dinge, an denen noch zu arbeiten ist. Die Kinder sitzen dann gemeinsam mit ihren Eltern im Kreis und ich rufe jedes Kind einzeln auf, lese ihm aus dem goldenen Buch vor und übergebe ein kleines Geschenk. Seit drei Jahren führen wir in einer Indoor-Socker-Halle auch ein Weihnachts-Tunier durch. Wir nennen es den Nikolaus-Cup, denn beim ersten Mal fiel die Veranstaltung auf den 6. Dezember.
vaeter-nrw.de: Und wie kommt der Weihnachtsmann bei den Kindern an?
Weihnachtsmann: Sehr gut. Sie sind mucksmäuschenstill und ganz andächtig. Alle hören sehr genau zu, was der Weihnachtsmann sagt. Und es bleibt haften: Ein Siebenjähriger, dem der Weihnachtsmann mitgegeben hatte, beim Spiel besser auf seinen Gegenspieler zu achten, kam im Sommer nach einem Spiel auf mich zu und sagte: "Heute habe ich es doch gut gemacht. Bitte sag' das dem Weihnachtsmann, damit er das auch weiß." Da war ich schon sprachlos. Ich hätte nicht gedacht, dass die Kinder sich die Hinweise des Weihnachtsmanns so gut merken.
vaeter-nrw.de: Haben die Kinder auch schon herausgefunden, wer da im Weihnachtsmannkostüm steckt?
Weihnachtsmann: Und ob. Das hatten die schon nach dem allerersten Auftritt raus. Dabei sagten die Eltern, dass man mich nicht wiedererkannt habe - auch an der Stimme nicht. Aber die Kinder sahen es an meiner Uhr und an meinen Schuhen.
vaeter-nrw.de: Ist damit der Weihnachtsmann-Zauber nicht vorbei?
Weihnachtsmann: Nein, überhaupt nicht. Es ist ganz erstaunlich. Wenn ich im Weihnachtsmannkostüm stecke, bin ich der Weihnachtsmann, dem die Kinder mit Ehrfurcht begegnen.
vaeter-nrw.de: Jetzt sind die Jungen ja schon größer und einige glauben sicher nicht mehr an den Weihnachtsmann. Bringt das Probleme mit sich?
Weihnachtsmann: Ja, das stimmt. Im Vorfeld tönen jetzt immer Einige, dass es den Weihnachtsmann ja gar nicht gibt. Aber wenn er dann vor ihnen steht, sieht plötzlich alles ganz anders aus. Dann sind auch sie wieder ganz dabei, hören genau zu und merken sich trotzdem gut, was der Weihnachtsmann zu ihnen gesagt hat.
vaeter-nrw.de: Empfinden Sie es eher als Vorteil oder eher als Nachteil für ihren Weihnachtsmannauftritt, dass sie die Kinder so gut kennen?
Weihnachtsmann: Ich finde, das ist ein Vorteil. Wenn ich nur Schablonentexte von mir geben würde, wäre das doch sinnlos. So kann ich wirklich etwas sagen, was für die Kinder von Bedeutung ist. Wenn die Kindern dann ehrfürchtig vor mir stehen und in mir den Weihnachtsmann sehen, bin ich auch gerührt und muss schon manchmal schlucken. Wir haben übrigens mal einen Versuch gemacht und jemand anderen auftreten lassen, einen großen und kräftigen Mann, der sich sehr gut als Weihnachtsmann machte. Er las dann die Texte, die ich für die Kinder geschrieben hatte. Aber das war nicht dasselbe. Das hat mich darin bestätigt, es dieses Jahr doch wieder selbst zu machen.
vaeter-nrw.de: Lieber Weihnachtsmann, herzlichen Dank für das interessante Gespräch.