Bernhard Löhlein, Vater dreier Kinder und Redakteur beim kirchlichen Hörfunk Radio K1 in Eichstätt, ist Mitglied der Jury "Spiel des Jahres" und "Kinderspiel des Jahres". Aber er bewertet nicht nur Spiele, sondern probiert sie während eines kontinuierlich stattfindenden Spielenachmittages in einer Kinderklinik auch aus.
"Wenn du alle Bilder in der Gespensteruhr gefunden hast, musst du die Kugeln rollen." Ganz ernsthaft erklärt Felicitas, sechs Jahre alt, einem zwei Jahre älteren Jungen das Spiel Das kleine Gespenst. Vater Bernhard Löhlein, 41, Redakteur beim kirchlichen Hörfunk Radio K1 in Eichstätt, schaut beeindruckt zu. Seit 2003 ist er Mitglied der Jury "Spiel des Jahres" und seit letztem Jahr wählt er auch das "Kinderspiel des Jahres" mit. Der renommierteste Spielepreis in Deutschland wird jedes Jahr im Sommer von einer ehrenamtlich arbeitenden Expertenjury vergeben.
Die Kinder machen aktiv mit
Über 150 Spiele muss Löhlein pro Saison testen. "Meine Frau stöhnt schon manchmal über die Mengen von Kartons, die sich in jedem Zimmer der Wohnung stapeln", meint er. "Aber sonst freut sie sich über mein Engagement." Und das geht weit über Würfeln und Testen hinaus. Etwa alle zwei Wochen stellt er auf einer Veranstaltung Spiele vor; in Kindergärten, Grund- und weiterführenden Schulen, auf Fortbildungen für Lehrer und Erzieherinnen. Vor allem in Ingolstadt organisiert er Turniere für bekannte Spiele wie "Zug um Zug", die die Stadt einen ganzen Tag lang in ein Brettspielparadies verwandeln.
Nicht nur Felicitas, auch seine beiden Söhne (12 und 15 Jahre) sind da fast immer dabei. "Ich freue mich, dass ich sie mit dem Spiele-Virus infiziert habe", grinst Löhlein. Er selbst hat sich als Erwachsener bei einem Besuch der Nürnberger Spielwarenmesse wieder neu begeistern lassen. "Da wusste ich: das ist mein Ding!" Über Maskenball der Käfer, Geistertreppe und Klassiker wie Monopoly hat er einen neuen Draht zu seinen Kindern bekommen. "Das ist eine ganz eigene Ebene", resümiert er, "man lernt die Kinder von einer ganz anderen Seite kennen." Das fulminante Gedächtnis seines Sohnes oder die eloquente Art seiner Tochter, wenn sie etwas erklärt, wären ihm sonst nie so deutlich aufgefallen.
Spielen im Kinderkrankenhaus
Besonders am Herzen liegen ihm die Spielenachmittage in der Kinderklinik in Neuburg an der Donau. "Alle meine Kinder mussten im Lauf ihres Lebens einmal zur Behandlung dort hin. Es ist eine gute Anlaufstelle." Löhlein hat Verlage um Spenden gebeten und so die Kinderstation mit neuen und qualitativ hochwertigen Spielen ausgestattet. Die meisten sind auch auf der Empfehlungsliste vom "Spiel des Jahres" zu finden. Und natürlich hat er sie gleich mit den Patienten und dem Personal ausprobiert. "Auch für die Geschwister ist es wichtig, dass es in der Klinik einen attraktiven Ort gibt, an dem sie sich sinnvoll beschäftigen können. Ihre Besuche im Krankenzimmer dürfen ja oft nur ein paar Minuten dauern."
Etwa drei Stunden braucht Löhlein für eine Veranstaltung, inklusive Spiele auswählen, verpacken und Fahrtzeit. "Den Aufwand für das Testen und Bestellen kann ich gar nicht rechnen, damit bin ich jeden Tag beschäftigt." Warum nimmt er das auf sich, neben Virusbefall und Spaß? Er denkt ein wenig nach. "Zu sehen, wie die Kinder etwas Neues entdecken und begeistert sind, auch neue Stärken in sich entdecken - das ist eine starke Motivation."