Das Kind ist da! Wenn die erste Euphorie verflogen ist, versinken nicht nur Mütter manchmal in Depressionen. Auch Väter können betroffen sein. Neue Studien zeigen, dass Väter ein signifikant höheres Risiko haben, an einer Depression zu erkranken, als der Durchschnitt der männlichen Bevölkerung.
Für eine Depression, die Mütter nach der Geburt eines Kindes überfällt, gibt es einen Fachbegriff: Wochenbettdepression. Frauen erhalten zum Beispiel in Geburtsvorbereitungskursen Informationen dazu. Dass auch Väter betroffen sein können und in den ersten Lebensmonaten des Kindes an Depressionen leiden, wissen dagegen die wenigsten. Denn erst in letzter Zeit machten Studien vermehrt auf das Phänomen aufmerksam. Darüber, wie häufig solche Erkrankungen sind, besteht in der Fachwelt indes Uneinigkeit: James Paulson von der Eastern Virginia Medical School in den USA, der 43 internationale Studien analysierte, sagt, dass durchschnittlich zehn Prozent der Väter vor oder nach der Geburt ihres Kindes depressiv würden, die meisten von ihnen zwischen dessen dritten und sechsten Lebensmonat. US-amerikanische Väter reagierten eher mit Depressionen. Hier lag der Schnitt bei 14,1 Prozent, weltweit bei 8,2 Prozent. Mehrere neuere Untersuchungen hätten zudem ergeben, dass Depressionen bei Vätern signifikant häufiger als im Schnitt der erwachsenen männlichen Bevölkerung aufträten.
Vielfältige Risikofaktoren
Bei den Müttern galten Hormonumstellungen rund um die Geburt lange Zeit als Hauptauslöser der Erkrankung. Das lässt sich jedoch nur teilweise bestätigen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind sich einig, dass auch Stress, mangelnder sozialer Rückhalt, eine schwierige Ehebeziehung und andere private und soziale Belastungen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen - und diese Faktoren greifen bei Vätern in gleicher Weise.
Frühzeitig Hilfe holen
Die Studien zeigen auch, dass noch wissenschaftliche Arbeit nötig ist, um Depressionen bei Vätern besser zu verstehen. Doch die bereits vorliegenden Ergebnisse können dazu beitragen, Väter, ihre Familien sowie Fachleute zu sensibilisieren, um solche Erkrankungen künftig früher zu erkennen und etwas dagegen zu tun.
(vaeter.nrw.de, 24.03.2011)
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