Vorsorge: Früherkennungsuntersuchungen nutzen

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Vorsorge: Früherkennungsuntersuchungen nutzen

Kinder mit Beeinträchtigungen können eine besondere Herausforderung für Sie sein. Zögern Sie nicht, sich fachkundig zu machen - viele Störungen, frühzeitig erkannt, sind gut behandelbar!

Die kindliche Entwicklung verläuft in verschiedenen Stufen, die aufeinander aufbauen. Abweichungen in der Reihenfolge der Entwicklungsschritte und zeitliche Verschiebungen sind in einem gewissen Rahmen normal. Wichtig hierbei ist, das alle Entwicklungsstufen durchlaufen werden und das Kind ausreichend motorische, sensorische und sozio-emotionale Erfahrungen sammeln kann. Und daran sollten Sie immer denken: Kinder benötigen unterschiedlich viel Zeit, um die einzelnen Stufen zu durchlaufen.

Ein gesundes Kind muß nicht durch spezielle Übungen oder Therapie in seiner Entwicklung gefördert werden. Ein möglicher Weg aber, die Entwicklung Ihres Kindes zu verfolgen und dessen Gesundheit im Blick zu behalten, ist die Vorstellung beim Kinderarzt. Dort werden kostenlos so genannte Früherkennungs-Untersuchungen (auch Vorsorgeuntersuchungen genannt) durchgeführt, wo frühzeitig Störungen der körperlichen, geistigen und sozialen Entwicklung diagnostiziert werden können. Für folgende Altersstufen sind diese Untersuchungen vorgesehen:


Die Untersuchungen U1 und U2 werden in der Regel noch in der Geburtsklinik durchgeführt, alle anderen Untersuchungen werden von niedergelassenen Kinderärzten angeboten. Kritisch anzumerken ist hier, dass die ärztlichen Beobachtungen hinsichtlich der Motorik und Wahrnehmungsfähigkeit und -verarbeitung noch manchmal zu undifferenziert sind. Die meisten Kinder werden erst recht spät, oder nur bei erheblichen Entwicklungsrückständen, entsprechenden therapeutischen oder pädagogischen Förderangeboten zugeführt. Darüber hinaus ist zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr keine gesetzliche Vorsorgeuntersuchung vorgesehen - und das während einer Zeitspanne, in der Kinder enorme Entwicklungsschritte durchlaufen.

Das Erkennen einer Entwicklungsauffälligkeit, Wahrnehmungsbeeinträchtigung oder Bewegungsproblematik wird dadurch erschwert, dass Väter und Mütter häufig bei den eigenen Kindern Auffälligkeiten - sei es in der Motorik, der Sprache oder der Kognition - weniger schnell erkennen als außenstehende Personen. Oft sind es neben Ärzten vorschulische Angebote wie Krippen, Kindertagesstätten, Loslösegruppen, schulvorbereitende Einrichtungen, Sportvereine oder auch erst die Schule, die Sie zum ersten Mal auf eine mögliche Problematik ihres Kindes aufmerksam machen. Wenn Sie dann unsicher werden, weil auch Ihnen Verhaltensweisen an Ihrem Kind auffallen, die Ihnen ungewohnt vorkommen, zögern Sie nicht, sich an eine der unten genannten Einrichtungen zu wenden, um sich erst einmal Klarheit zu verschaffen!

Bei der Beschäftigung mit dem Thema "Beeinträchtigung" werden Sie auf einige Begriffe stoßen, die Ihnen zunächst unbekannt sein mögen, etwa die Differentialdiagnostische Früherkennung und Beratung, aber auch andere Fachbegriffe. Diese sollen in ihrem Zusammenhang etwas näher erklärt werden. Ansonsten gilt: Immer nachfragen, wenn etwas unklar geblieben ist - auch später noch.

Frühförderstellen sind pädagogisch-therapeutische Behandlungsinstanzen, die entwicklungsverzögerte und behinderte Kinder von 0-6 Jahre ganzheitlich fördern. Häufig gehören sie zu den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege - wie z.B. Arbeiterwohlfahrt (AWO) Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Caritas - oder zu den regionalen Lebenshilfe-Einrichtungen. Sehr oft sind diese, neben den Fördereinrichtungen, zugleich auch Beratungszentren für verzweifelte Väter und Mütter.

Die regionalen Gesundheitsämter haben im Normalfall einen kinder- und jugendärztlichen Dienst, wo erfahrene Kinderärzte als Anlaufstellen für sozialmedizinische Diagnostiken zur Verfügung stehen. Häufig werden hier die Weichen für eine Frühfördermaßnahme gestellt.

In manchen Bundesländern gibt es so genannte Früherkennungsteams, die sich aus verschiedenen Berufsgruppen, darunter Kinderärzte, Psychologe, Pädagogen und Therapeuten zusammensetzen. Wenn Kinder hier vorgestellt werden, ist eine multiprofessionelle Diagnostik und Therapieempfehlung unter Einbeziehung der örtlichen psycho-sozialen und therapeutisch-institutionellen Gegebenheiten gewährleistet.

In Kinderzentren und Sozialpädiatrischen Zentren werden Kinder diagnostiziert und behandelt, die wegen der Art und Schwere oder Dauer ihrer Problematik nicht von niedergelassenen Ärzten oder in Frühförderstellen versorgt werden können. Sie stehen unter ständiger ärztlicher Leitung und sind mit einem interdisziplinären Team besetzt. Sie verfügen über eine besondere apparative Ausstattung, die eine umfassende neuropädiatrische Diagnostik gewährleistet (z.B. für Kinder mit Anfallsleiden oder erhöhter Krampfbereitschaft). Zum Team gehören i.d.R. Fachärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden (Sprach-Therapeuten), Sozialarbeiter und Sonderpädagogen. Die Zentren sind häufig einer Kinderklinik angegliedert und haben relativ große Einzugsgebiete.

Pädaudiologische und phoniatrische Ambulanzen sind oft einer Uniklinik angegliedert. Hier werden Diagnostiken von Patienten mit Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen oder kindlichen Hörstörungen durchgeführt. Ein erfahrenes Team aus Ärzten, Logopäden, Hörgeräte-Akustikern, Heilpädagogen und Psychologen führt alle notwendigen Untersuchungen durch. Die dann erforderlichen therapeutischen Maßnahmen werden von dort eingeleitet oder durch eigene Therapeuten vorgenommen. Regelmäßige Nachuntersuchungen und intensive Kooperation mit den überweisenden Ärzten und den externen Therapeuten sind hierbei der Regelfall.

Insgesamt gilt bei der Diagnostik und Therapieempfehlung eines in seiner Entwicklung beeinträchtigten Kindes immer der Grundsatz: Je früher, desto besser. Bei der therapeutischen Umsetzung der Hilfemaßnahme: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Und für Sie als Vater sollte gelten: Ihr Kind braucht vielleicht eine fachliche Hilfe und Sie selbst jemanden, dem Sie vertrauen können - dann erkundigen Sie sich bald nach Unterstützung.

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