„Drogensucht ist auch ein Schrei nach Anerkennung und Liebe“, sagt die Therapeutin Sabine Bremer. Wie können Väter einem solchen Mangel vorbeugen und ihre Kinder damit so stärken, dass sie später in verführerischen Situationen zu Drogen „nein Danke“ sagen können?
Das erste Bier, mal eine Zigarette, vielleicht sogar einen Joint oder eine angesagte Party-Droge? - Jugendliche probieren Substanzen aus, die gefährlich sind, und von denen sie abhängig werden könnten. Für Väter ist es oft schwierig, einen guten Weg zu finden, um mit dieser Gefahr umzugehen. Denn strikte Verbote bringen wenig: Sie machen das Ausprobieren für die Jungen und Mädchen oft nur noch spannender. Sabine Bremer aus Düsseldorf, Gestalttherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie, arbeitet in einer Tagesklinik mit Menschen, die von illegalen Drogen abhängig sind. Sie sagt: „Viele Jugendliche probieren aus und testen, was 'cool' und 'in' ist. Doch Väter haben Möglichkeiten vorzusorgen, damit aus 'cool' und 'in' nicht ein Entzug in der Klinik wird.“
Liebe und Anerkennung geben Halt
„Sucht ist oft der Ausdruck eines Hungers nach Geborgenheit und Liebe und die Ausdrucksweise von Menschen, die sich ohnmächtig fühlen“, sagt Sabine Bremer, deren Patientinnen und Patienten in vielen Fällen traumatisierende Erfahrungen mit Gewalt und Missbrauch machten. Sie hätten zudem kaum Chancen gehabt, ihr Leben selbst zu gestalten und sich als „erfolgreich“ zu erfahren. Vätern, die einem Suchtverhalten bei ihren Kindern vorbeugen wollen, rät die Expertin: „Pflegen sie die Beziehung zu ihren Kindern von Beginn an. Sorgen sie dafür, dass der Draht nicht abreißt. Eine gute Beziehungsarbeit gibt Sicherheit und kann ihre Kinder in späteren verführerischen Situationen schützen. Schauen sie, dass ihre Kinder die Möglichkeit haben, Erfolge für sich zu verbuchen.“
Sport schult das Gefühl für das richtige Maß
Eine gute Möglichkeit, Erfolgserlebnisse zu haben, ist es, Sport zu treiben. Die Expertin empfiehlt das noch aus einem anderen Grund: „Sport fördert das Gespür für das richtige Maß. Es entstehen Gemeinschaften, die gerade für Jugendliche so wichtig sind.“
Aufklärung über Suchtgefahren
Informationen sind wichtig: Viele Fakten über die Gefahren, die von den unterschiedliche Stoffe ausgehen, sind kaum bekannt. Verharmlost werde zum Beispiel oft der Konsum von Cannabis (Mariuana, Haschisch), sagt die Expertin. Studien legten nahe, dass er sich gerade bei Heranwachsenden negativ auf die Entwicklung des Gehirns auswirke. Alkohol und Tabak gehörten in vielen Fällen zur normalen „Alltagskultur“ - Risiken würden ausgeblendet. Vielfach lernen Kinder im Elternhaus, dass Alkohol das Mittel der Wahl ist, um Stress zu dämpfen und wieder „gut drauf“ zu kommen. Väter sind in diesem Zusammenhang gefragt, das eigene Verhalten kritisch unter die Lupe zu nehmen und sich zu fragen, ob sie das Vorbild abgeben, das sie sein wollen.
Sucht ist vielfältig
Menschen nutzen Drogen, um sich aufzuputschen oder zu dämpfen. Unangenehme Gefühle, Belastungen und Stress rücken in den Hintergrund. Diese Flucht aus dem Alltag treten Süchtige zunehmend öfter an und schädigen sich damit schließlich selbst. Es sind aber nicht nur Stoffe die Menschen zu sich nehmen, die so wirken. Auch das Spielen am Computer, das Chatten im Internet und Vieles mehr kann sich zur Sucht entwickeln. „Suchtstrukturen sind vielfältig. Wer süchtig ist nach Joggen oder Arbeiten fällt aber weniger damit auf und die negativen Auswirkungen sind oft nicht so gravierend“, erklärt Sabine Bremer. „Die Herausforderung für uns alle lautet: Ein gewisses Maß halten, sich selbst regulieren und die richtige Balance zwischen Hingabe und Kontrolle finden.“
Hürde nehmen – Beratungsangebot nutzen
Väter, die den Eindruck haben, dass ihren Kindern das nicht gelingt, dass Anzeichen für eine Sucht zu erkennen sind, sollten sich frühzeitig Hilfe holen. „Es ist eine große Hürde für die Väter, das in Anspruch zu nehmen, denn sie fühlen sich oft schuldig“, berichtet Sabine Bremer. „In der Beratung geht es darum, die Situation zu verstehen und Probleme zu lösen – und nicht darum, Schuld zuzuweisen. Väter sollten diese Chance für sich und ihre Kinder nutzen.“
Im Folgenden hat vaeter.nrw.de eine Liste mit einigen Links zu Informationen und Beratungsangeboten rund um das Thema „Sucht“ zusammen gestellt.
(vaeter.nrw.de, 14.07.2011)
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