Interview: Wolfgang Kremer berichtet von seinem Engelbaum-Projekt

Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen

Themenschwerpunkt: Paarbeziehung adé?

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Interview: Wolfgang Kremer berichtet von seinem Engelbaum-Projekt

Wolfgang_Kremer_2_100Manager und Unternehmensberater Wolfgang Kremer hängte nach einem Herzinfarkt vor 25 Jahren seine Karriere an den Nagel, widmete sich seiner Familie und nutzte sein Organisationstalent für den Aufbau umfangreicher Hilfsaktionen zu Gunsten von Menschen in Not. Mit dem Projekt Engelbaum sorgt er dafür, dass Kinder strafgefangener oder in Armut lebender Eltern zu Weihnachten Geschenke bekommen können.

vaeter.nrw.de: Sie haben ein besonderes Projekt ins Leben gerufen, dass den Namen „Engelbaum“ trägt. Worum geht es dabei?

Wolfgang Kremer: Seit fast 25 Jahren setzen wir uns mit dem Verein Mission Menschen in Not unter anderem für Strafgefangene ein. Dabei rückten auch die Kinder der Inhaftierten in den Blick, die unter der Trennung vom Vater oder von der Mutter leiden. Ein Weihnachtsgeschenk können diese Eltern ihren Kindern zum Beispiel nicht machen. Dabei wäre das ein schönes und wichtiges Zeichen der Verbundenheit. Also sind wir aktiv geworden: Inhaftierte Väter oder Mütter können sich bei Engelbaum melden und ein Geschenk für ihr Kind oder ihre Kinder „in Auftrag geben“. Wir suchen Sponsoren dafür und stellen sicher, dass das Geschenk rechtzeitig zum Weihnachtsfest beim Empfänger oder der Empfängerin ankommt. Teilweise organisieren wir auch Weihnachtsfeiern in Gefängnissen, zu denen die Familien der Inhaftierten eingeladen sind.

Als wir das Projekt 1990 starteten, fingen wir mit sechs Weihnachtsgeschenken an. Inzwischen hat sich Engelbaum zu einem bundesweiten Projekt entwickelt und auch der Kreis der Kinder, die Geschenke bekommen können, hat sich erweitert: Viele Kinder aus Familien, die von Hartz IV-Bezügen leben, oder Kinder von Alleinerziehenden müssten oft ebenfalls auf Weihnachtsgeschenke verzichten. Auch diese Eltern können einen Wunschzettel für ihre Kinder ausfüllen und ihn uns schicken. Wir überprüfen natürlich, ob die Familien tatsächlich bedürftig sind. Rund 790 Geschenke packen wir dieses Jahr für benachteiligte Kinder. 400 von ihnen haben einen Elternteil, der im Gefängnis ist.

vaeter.nrw.de: Warum trägt das Projekt den Namen „Engelbaum“?

Wolfgang Kremer: Wir sind ja darauf angewiesen, Geldgeber für die Geschenke zu finden. Das machen wir mit unseren Engelbäumen. Viele Kirchengemeinden aber auch Vereine und Unternehmen stellen sie Anfang November auf. An den Bäumen hängen Zettel jeweils mit dem Vornamen, dem Alter und dem Wunsch eines Kindes. Menschen, die am Baum vorbei kommen und unser Projekt unterstützen wollen, nehmen einen Zettel mit, besorgen und verpacken das Geschenk und bringen es zurück zum Engelbaum. Ein Geschenk kostet übrigens maximal 26,00 Euro. Wir sammeln die Geschenke dann bundesweit Anfang Dezember ein, ordnen jedes anhand eines Nummerncodes der richtigen Adresse zu und versenden die Päckchen. Im Dezember bleiben die Engelbäume aber weiter stehen. Unterstützerinnen und Unterstützer können dann eine bestimmte Codenummer angeben und das Geld für das jeweilige Geschenk überweisen. Wir besorgen die Spielsachen dann hier. Weil es immer wieder vorkommt, dass uns Wunschzettel erst spät erreichen und wir kein Kind enttäuschen wollen, gibt es jetzt auch auf unserer Internetseite die Möglichkeit, ein Geschenk auszusuchen und zu sponsern.

vaeter.nrw.de: Wie kam Ihre Entscheidung zu Stande, sich so stark sozial zu engagieren?

Wolfgang Kremer: Früher hatte ich drei Unternehmen in Köln, arbeitete immerzu und hatte nie Zeit für meine Frau und meine beiden kleinen Kinder. Dann kam der Warnschuss. Mit 35 hatte ich einen leichten Herzinfarkt, der mich für vier Wochen aus dem Verkehr zog. In dieser Zeit habe ich einen neuen Zugang zum Glauben gefunden und beschlossen, mein Leben umzukrempeln. Ich wollte für meine Familie nicht nur ein Bild an der Wand sein. Ich verkaufte die Firmen und wir zogen in den Westerwald. Ich arbeitete als Unternehmensberater – allerdings auf Sparflamme. Zuhause zu sein, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen und mich sozial zu engagieren, erschien mir wichtig. Zunächst haben meine Frau und ich Menschen in Gefängnissen besucht und sie auch nach der Freilassung begleitet. Viele haben zeitweise bei uns gewohnt, bis sie wieder Fuß gefasst hatten. Aus diesem Projekt ist, wie schon beschrieben, Engelbaum entstanden. Außerdem organisieren wir im Sommer bundesweit Indianercamps. Dort können Strafgefangene und sozial benachteiligte Familien, deren Kinder teilweise noch nie im Urlaub waren, ihre Söhne und Töchter in die Ferien schicken. Auch das machen wir jetzt bereits seit 21 Jahren.

Im Moment bauen wir ein Netzwerk zu Menschen auf, die wir "Schutzengel" nennen. Damit meinen wir Männer und Frauen, die benachteiligte Kinder begleiten. Ihnen wollen wir mit Engelbaum und den Indianercamps Möglichkeiten bieten, die sie für die Kinder, die sie betreuen, nutzen können.

vaeter.nrw.de: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Kremer. Das ist ja ein beeindruckendes Engagement, für das wir Ihnen viele Unterstützerinnen und Unterstützer wünschen.

(vaeter.nrw.de, 22.12.2011)

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