Das Bundesfamilienministerium legte Mitte Februar den ersten Familienreport vor. Die 100seitige Broschüre bietet einen Überblick darüber, wie die aktuelle Familienpolitik bei der Bevölkerung ankommt und wie sich die Einstellung zu Familie veränderte. Der Report basiert auf einer repräsentativen Befragung von Januar 2009 sowie weiteren Umfragen und steht auf der Ministeriumshomepage zum Herunterladen zur Verfügung. Wir fassen zentrale väterbezogene Aussagen zusammen.
Vätermonate: Akzeptanz in Unternehmen steigt
Dass Väter für ihre kleinen Kinder eine berufliche Auszeit nehmen, finden inzwischen rund zwei Drittel der Unternehmen "gar nicht problematisch". Die Zustimmung zu den sogenannten Vätermonaten sei damit unter den Führungskräften innerhalb eines Jahres um 13 Prozentpunkte gestiegen, konstatiert der Report. Unternehmen hätten das Thema "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" erkannt.
2,17 Kinder pro Mann
Neun von zehn Männern zwischen 14 und 42 Jahren wünschen sich Kinder - und zwar mehr als zwei. Der Durchschnitt stieg auf 2,17 Kinder pro Mann. Die meisten Männer wollen jung Vater werden. 24 nennen sie als ideales Alter. Der aktuellen Statistik zufolge bekommen sie jedoch erst zwischen dem 29. und 33. Lebensjahr erstmals ein Kind. Im Bericht wird vermutet, dass dies mit langen Ausbildungszeiten, einer unsicheren Berufseinstiegsphase und oft mit dem Fehlen einer stabilen Paarbeziehung zu tun haben könnte.
Elternzeit: Väter greifen zu
65 Prozent der Bevölkerung haben den Eindruck, dass sich Väter heute mehr mit ihrem Nachwuchs beschäftigen als noch vor fünf oder zehn Jahren. Ein Indiz dafür ist auch die große Akzeptanz, die das Elterngeld findet. Die Zahl derjenigen Väter, die in Elternzeit gehen, steigt kontinuierlich in Richtung 20 Prozent. "Besonders die jungen Väter selbst wollen sich gerne mehr einbringen: 73 Prozent der Männer zwischen 15 und 41 Jahren wünschen sich eine Ausweitung der Vätermonate", heißt es. Bereits heute beansprucht über ein Drittel der Männer mit Elterngeldbezug mehr als die zwei Partnermonate. 14 Prozent von ihnen nehmen sogar die Höchstdauer von zwölf bis 14 Monaten in Anspruch (ungefähr zwei Prozent aller Antragsteller). Der Familienreport geht von einer weiter steigenden Zahl männlicher Elterngeldbezieher aus. Das Potenzial aktiver Väter sei noch nicht ausgeschöpft.
Väter im Rollenstress
In der Praxis übernehmen, das zeigte die Befragung, hauptsächlich die Mütter die Betreuungs- und Erziehungsaufgaben. Die Ansicht von Männern und Frauen dazu geht allerdings auseinander: Während nur 17 Prozent der Mütter der Auffassung sind, ihr Partner übernehme kindbezogene Tätigkeiten in gleichem Maße wie sie, meinen doppelt so viele Männer sie lebten in einer Partnerschaft mit gleicher Aufgabenverteilung. Obwohl sie sich für eine aktive Vaterschaft entschieden haben, sehen sich viele Männer in erster Linie in der Rolle des Ernährers und etwa die Hälfte der Befragten zieht die klassische Aufgabenverteilung zwischen Mann und Frau vor.
Was sich Väter wünschen
Die Wünsche und Bedürfnisse von Vätern fasst der Report wie folgt zusammen: "Für eine bessere Vereinbarkeit wünschen sich die Männer vor allem bessere Zeitoptionen, d. h. flexiblere Arbeitszeiten, Vätermonate kombiniert mit verlässlichen Kindertagesstätten und Schulzeiten. Es wird deutlich, dass eine aktive Vaterrolle bzw. eine egalitäre Rollenverteilung nicht nur von Müttern, sondern auch von Vätern zunehmend gewünscht ist. Damit sie sich in der familiären Praxis durchsetzen kann, muss sie aber auch lebbar sein. (...) Bislang setzen berufliche wie private Umfelder die aktive Vaterschaft noch zu stark gleich mit mangelnder Karriereorientierung oder Unmännlichkeit. Es geht auch um eine Veränderung kultureller Muster in Wirtschaft und Gesellschaft."
Der Familienreport kann auf der Homepage des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend bestellt oder heruntergeladen werden.